Seit der Antike begleitet die Mantik den Menschen als Versuch,
Ordnung im Ungewissen zu erkennen und Sinn in komplexen Lebenssituationen zu finden.
Mantische Systeme entstanden nicht aus Aberglauben, sondern aus der Beobachtung,
dass innere Prozesse, Entscheidungen und äußere Ereignisse miteinander in Beziehung stehen.
Sie dienten über Jahrhunderte als Mittel zur Orientierung – nicht zur Flucht vor Verantwortung,
sondern zu ihrer bewussteren Wahrnehmung.

Das Thoth-Tarot: Crowleys archetypische Vision


Crowley brachte diese archetypische Dimension auf eine neue Ebene. Sein Thoth-Tarot ist ein bewusst konstruiertes System, das westliche Esoterik synthetisiert.
 

Besondere Merkmale:
 

Umbenennung der Karten: "Kraft" wird zu "Lust", "Mäßigkeit" zu "Kunst" - Crowley wollte
die ursprüngliche vitale Energie der Archetypen wiederherstellen

Astrologische Zuordnungen: Jede Karte ist präzise mit astrologischen Entsprechungen verknüpft

Kabbalistische Integration: Die Karten folgen dem Pfadsystem des kabbalistischen Lebensbaums

Dynamische Symbolik: Harris' Kunst zeigt die
Archetypen in Bewegung, als lebendige Energien statt statischer Symbole

 

Der Unterschied: Während traditionelle Tarots oft mittelalterlich-christliche Symbolik nutzen, schuf Crowley ein System, das bewusst auf vorchristliche, ägyptische und gnostische Quellen zurückgreift. Seine Archetypen sind keine moralischen Lektionen, sondern Darstellungen kosmischer
Kräfte und psychischer Prozesse.

Die Lenormand-Karten
Die Karten sind nach Marie Anne Lenormand (1772-1843) benannt, einer berühmten französischen Kartenlegerin und Wahrsagerin, die während der Französischen Revolution und der napoleonischen Ära in Paris lebte. Sie wurde zur bekanntesten Wahrsagerin ihrer Zeit und soll für prominente Persönlichkeiten wie Joséphine de Beauharnais (Napoleons erste Frau), Robespierre und Zar Alexander I. die Karten gelegt haben.

Es arbeitet mit klaren, alltagsnahen Symbolen und logischen Verknüpfungen.
Im Gegensatz zu abstrakter Symbolik steht hier die Lesbarkeit von Zusammenhängen im Vordergrund:
Beziehungen, Arbeit, Entscheidungen, zeitliche Abläufe.